💡 Was bedeuten Berufsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit?
Berufsunfähigkeit (BU) bedeutet, dass du deinen zuletzt konkret ausgeübten Beruf, so wie er in gesunden Tagen ausgestaltet war, voraussichtlich dauerhaft zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben kannst. Die BU-Rente zahlt dein privater Versicherer und sie hängt nicht davon ab, ob du theoretisch noch in einem anderen Job arbeiten könntest.
Erwerbsunfähigkeit (EU) – genauer: gesetzliche volle Erwerbsminderung – bedeutet: Du kannst auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt wenn überhaupt, dann weniger als 3 Stunden täglich irgendeiner Tätigkeit nachgehen (teilweise Erwerbsminderung: 3–6 Stunden). Die Leistung kommt aus der Deutschen Rentenversicherung (DRV), ist streng geprüft und fällt häufig geringer aus als eine BU-Rente.
- BU ⇒ Schutz deines konkreten Berufs.
- EU ⇒ Schutz deiner allgemeinen Erwerbsfähigkeit.

🏥 Rechtliche Grundlagen & Zuständigkeiten #
- BU: Privatrechtlicher Vertrag mit einem Versicherer. Bedingungen, Leistungsauslöser und Rentenhöhe stehen in den AVB/Policen.
- EU: Sozialrechtliche Leistung der DRV. Wartezeit (typisch 5 Jahre) und Pflichtbeiträge sind Voraussetzungen.
- Prüfung: BU wird vom Versicherer anhand deiner Tätigkeit, Gutachten und Vertragsklauseln beurteilt; EU von der DRV mit Fokus auf die allgemeine Arbeitsmarktfähigkeit (3‑Stunden‑Grenze).
Wichtig: Eine EU-Rente erhältst du nur, wenn du am gesamten Arbeitsmarkt stark eingeschränkt bist – die Hürden sind oft höher als bei der BU.
🧰 Leistungsumfang im Vergleich #
Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)
- Leistung ab 50 % Berufsunfähigkeit (Standard).
- Monatliche BU-Rente in vereinbarter Höhe (z. B. 1.500–3.000 € oder mehr).
- Optionale Beitrags- und Leistungsdynamik (Inflationsschutz).
- Nachversicherungsgarantien (Heirat, Kind, Hauskauf, Karriere).
- AU-Klausel (Arbeitsunfähigkeit): Vorläufige Zahlung bei längerer Krankschreibung.
Erwerbsminderungsrente (EU/EMR)
- Voll: < 3 Std./Tag ⇒ volle EM-Rente.
- Teilweise: 3–6 Std./Tag ⇒ halbe EM-Rente.
- Höhe abhängig von Einzahlungen & Rentenpunkten; häufig deutlich niedriger als gewünschter Einkommensschutz.
- Oft befristet mit regelmäßigen Nachprüfungen.
📊 Die wichtigsten Unterschiede #
- Leistungsauslöser: BU = 50 % Einschränkung im eigenen Beruf • EU = < 3 Std./Tag in jedem Beruf.
- Leistungshöhe: BU frei vereinbar • EU abhängig von Rentenpunkten (oft deutlich geringer).
- Prüfmaßstab: BU konkret-individuell • EU abstrakt-generell.
- Flexibilität: BU mit Dynamiken & Nachversicherung • EU gesetzlich fix.
- Ziel: BU = Lebensstandard schützen • EU = Basisnetz/Existenzsicherung.
Merke: BU = Premium-Schutz für den Lebensstandard; EU = Basisnetz mit hohen Hürden.
👔 Für wen eignet sich welche Absicherung? #
- Angestellte: BU fast immer sinnvoll, da der eigene Beruf geschützt wird.
- Selbstständige/Freiberufler: Besonders wichtig – Einkommen hängt stark vom persönlichen Einsatz ab.
- Handwerk/körperliche Tätigkeiten: BU wertvoll, aber ggf. teurer; Alternativen/Ergänzungen: private EU-Police, Grundfähigkeits- oder Dread‑Disease.
- Studierende/Azubis: Früh abschließen = oft dauerhaft günstige Prämien.
- Beamte: Auf DU-Klauseln (Dienstunfähigkeit) achten.
Tipp: Wenn BU nicht möglich oder zu teuer ist, kann eine private Erwerbsunfähigkeitsversicherung eine solide Basis schaffen.
💶 Beiträge, Gesundheitsprüfung & Annahmepolitik #
- Beitragstreiber: Alter, Gesundheitszustand, Berufsklasse, Rentenhöhe, Laufzeit, Dynamiken.
- Gesundheitsprüfung: Fragebögen, Arztberichte; Angaben vollständig & ehrlich machen.
- Voranfrage (anonymisiert): Sinnvoll, um Annahmechancen zu testen.
- Ausschlüsse/Zuschläge: z. B. Rücken, Psyche, riskante Hobbys.
- Private EU-Police: Oft günstiger als BU, weil der Leistungsauslöser strenger ist.
Pro-Tipp: BU-Rente realistisch wählen (60–70 % deines Netto), plus Leistungsdynamik (2–3 % p. a.).
📜 Wichtige Klauseln & Fallstricke #
- Abstrakte Verweisung: Gute Tarife verzichten darauf.
- Konkrete Verweisung: Leistung kann enden, wenn du einen gleichwertigen neuen Beruf ausübst.
- AU-Klausel: Überbrückt die Zeit bis zur BU-Feststellung mit vorläufigen Zahlungen.
- Dynamiken: Beitrags- und Leistungsdynamik schützen vor Inflation.
- Nachversicherungen: Erhöhungen ohne neue Gesundheitsfragen bei Lebensereignissen.
- Prognosezeitraum, Rückwirkung, Karenz: Genau prüfen, ab wann und rückwirkend gezahlt wird.
- Spezialklauseln: Infektionsklauseln (Medizin/Pflege), echte DU bei Beamten.
🧮 Praxisbeispiele mit Rechenbeispiel #
Beispiel 1 – Ingenieurin (Angestellte): Anna (33) verdient netto 3.200 € und kann nach einem Burnout nur noch 40 % ihrer Tätigkeit leisten.
- BU: Ab 50 % Einschränkung leistet die BU (z. B. 2.000 € Rente).
- EU: 3–6 Std./Tag in anderer Tätigkeit wäre ggf. möglich ⇒ wahrscheinlich keine volle EM-Rente.
Beispiel 2 – Handwerker (Selbstständig): Marco (41) mit Rückenproblemen.
- BU: Teuer oder mit Ausschlüssen.
- Alternative: Private EU + Grundfähigkeit als pragmatische Absicherung.
Beispiel 3 – Rechenbeispiel Lücke:
- Netto: 3.000 €
- Ziel-Lebensstandard: 2.200 €
- Volle EU-Rente (vereinfachtes Beispiel): 1.050 €
- Lücke: 1.150 € ⇒ BU-Rente ca. 1.200–1.500 € mit Leistungsdynamik 2–3 % p. a.
Zwischenfazit: Die gesetzliche EU ist ein Sicherheitsnetz; die BU schützt den Lebensstandard.
✅ Entscheidungsleitfaden #
- Bedarf: Netto, Fixkosten, gewünschter Schutz (60–70 % Netto).
- Machbarkeit: Gesundheitsstatus, Beruf, Hobbys prüfen.
- Voranfrage: Anonymisiert, um Annahmerisiken zu testen.
- Bedingungen vergleichen: Verweisung, AU, Dynamiken, Nachversicherung, Prognosezeitraum.
- Höhe & Laufzeit: Bis mind. 65.–67. Lebensjahr, Leistungsdynamik 2–3 %.
- Alternativen: Private EU, Grundfähigkeit, Dread‑Disease.
- Dokumentation: Tätigkeitsbeschreibung, Arztberichte, Antragsangaben.
- Regelmäßiger Check: Einkommen/Familie/Kredite ⇒ ggf. Erhöhung nutzen.
❓ FAQ – Häufige Fragen #
Ist eine BU trotz gesetzlicher Erwerbsminderungsrente notwendig?
In den meisten Fällen ja. Die gesetzliche Rente deckt nur ein Existenzminimum ab und bemisst sich an der allgemeinen Arbeitsmarktfähigkeit – nicht an deinem Beruf.
Wie hoch sollte meine BU-Rente sein?
Faustregel: 60–70 % deines Nettoeinkommens. Plane eine Leistungsdynamik (2–3 % p. a.) gegen Inflation ein.
Was, wenn ich keine BU bekomme?
Prüfe eine private Erwerbsunfähigkeitsversicherung, Grundfähigkeitsversicherung oder eine Dread‑Disease-Police – ggf. als Kombination.
Zahlt die BU bei psychischen Erkrankungen?
In der Regel ja, sofern nicht ausgeschlossen und die Antragsangaben vollständig sind. Eine AU-Klausel hilft, die Zeit bis zur BU-Feststellung zu überbrücken.
Kann mich der Versicherer in einen anderen Job verweisen?
Gute Tarife verzichten auf abstrakte Verweisung. Bei konkreter Verweisung (gleichwertiger neuer Job) kann die Leistung enden.
Unterschied zwischen privater EU-Versicherung und gesetzlicher EU-Rente?
Gesetzliche EU ist eine Sozialleistung mit strengen Hürden. Private EU ist ein Vertrag mit frei vereinbarter Rentenhöhe, aber ähnlich strengem Leistungsauslöser.
Ab wann sollte ich eine BU abschließen?
Je früher, desto besser: In jungen, gesunden Jahren sind Prämien und Annahmechancen am günstigsten.
🧾 Fazit #
Berufsunfähigkeit vs. Erwerbsunfähigkeit sind zwei Schutzebenen: Die BU deckt deinen konkreten Beruf ab und ist der effektivste Schutz für deinen Lebensstandard. Die gesetzliche EU ist ein Grundschutz mit hohen Hürden und oft niedriger Leistung.
Wenn BU nicht möglich ist, sind private EU, Grundfähigkeit oder Schwere Krankheiten sinnvolle Alternativen. Achte auf klare Bedingungen (keine abstrakte Verweisung, AU-Klausel, Dynamiken) und eine realistische Rentenhöhe – damit im Ernstfall Geld fließt, wenn du es wirklich brauchst.